Ein Freitagabend am Stadtrand Dubais zeigt ein libanesisches Familienessen, bei dem Kinder drinnen Videospiele spielen und draußen philippinische Angestellte Snacks servieren. Normalerweise würden solche Treffen von Alltagsgesprächen geprägt sein – doch nun dominieren Diskussionen den Krieg gegen Iran.
Seit drei Wochen sind Drohnen und Raketen des Nachbarlandes ein ständiges Bedrohungssignal für die Handelsmetropole mit ihren leuchtenden Türmen. Die Attacken verursachen Stress; Kinder schlafen vor Angst nicht mehr, Schulen bleiben geschlossen, während Informationen von der Regierung zensiert werden. Eine der Gäste äußert ihre Enttäuschung: “Wir sind doch aus Libanon geflohen, um genau solcher Gewalt zu entgehen.”
Ein dumpfer Knall im Nachthimmel sorgt für Aufsehen: “Eine Abwehrrakete”, erklärt ihr Mann und hebt sein Gin Tonic-Glas an. “Das ist noch nichts gegen die Lautstärke, wenn es wirklich knallt.”
Dubai war immer ein Symbol für Neuanfang und Wachstum – nicht für Kriegszerstörung. Doch nun wird die Stadt durch den Konflikt herausgefordert.
Laia Fernández, eine Marketingexpertin aus Spanien, sitzt in einem leeren Café der Business Bay, Dubais Geschäftszentrum. Die Tech-Szene blühte hier vor dem Krieg auf, und sie profitiert von steuerfreiem Leben – im Gegensatz zu Europa.
Fernández behauptet: “Die meisten Leute bleiben trotz Krieg. Sie lassen sich nicht so leicht einschüchtern.” Doch in der Stadt kursieren Sorgen über wirtschaftliche Auswirkungen und einen möglichen Kollaps, da Investoren ihr Geld abziehen.
Der Einfluss des Konflikts ist spürbar: Restaurants schließen vorübergehend, Flughäfen wirken leer, und die Gastronomiebranche leidet. Trotzdem bleiben einige Touristen wie russische Freunde in einem Zentrumspub, die sich trösten mit den Worten: “Bei uns herrscht ja auch Krieg.”
Bashar al-Halabi, ein Journalist und Energieexperte aus Beirut, sieht Dubai als Hoffnungssymbol für arabisches Wachstum und Stabilität – im Gegensatz zu seiner Heimatstadt.
Die Autoritäten Dubais reagieren mit starker militärischer Präsenz, Drohnenabwehr und öffentlichen Warnmeldungen. Aber die Stadt verspürt eine Lähmung, während Unsicherheit über den zukünftigen Verbleib ihrer internationalen Bewohner herrscht.
Dubai ist weniger ein klassischer Staat als vielmehr ein multinationales Unternehmen mit einem Emir als CEO und vielen ausländischen Arbeitskräften. Die Staatsbürgerschaft bleibt die Ausnahme, nicht die Regel.
Dhiraj Jain, ein erfolgreicher Inder in Dubai, sieht den Krieg auch als Chance für eine stärkere Gemeinschaft. Er hat gestrandete Touristen auf seiner Farm beherbergt und glaubt an einen Aufschwung der Immobilienbranche trotz widriger Umstände.
In Deira, einem Viertel jenseits des Dubai Creek, leben viele Inder als Servicekräfte. Sivan, ein Chauffeur von Jain, äußert seine Gedanken zur Zukunft: “Dubai ist eine einsame Stadt. Wenn es nicht mehr läuft, ziehen alle weiter.”