Meta kündigt an, dass die End-to-End-Verschlüsselung von geschützten Nachrichten bei Instagram nach dem 8. Mai 2026 nicht mehr existieren wird. Auf einer Support-Seite der Plattform informiert das Unternehmen darüber, dass zukünftig «Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten auf Instagram nicht mehr unterstützt werden».
Diese Entscheidung stellt einen wesentlichen Schritt dar, da Meta die Verschlüsselung über Jahre als zentralen Punkt für die Weiterentwicklung seiner Messaging-Dienste vermarktete. End-to-End-Verschlüsselung (E2EE) garantiert, dass ausschließlich Sender und Empfänger den Inhalt einer Nachricht einsehen können. Richtig implementiert bedeutet dies, dass auch der Plattformbetreiber keinen Zugang zu den Nachrichteninhalten hat, wodurch sie als eine Hauptmaßnahme für die Vertraulichkeit digitaler Kommunikation gilt. Ohne diesen Schutz sind die Inhalte grundsätzlich wieder für die Plattform sichtbar.
Technologieexperte Bruno Giussani hebt hervor, dass bei Instagram zwei Datentypen von Bedeutung sind: erstens der Inhalt der Nachrichten und zweitens Metadaten – Informationen über wer wem wann, woher und wie oft schreibt. Diese Metadaten waren für Meta bereits zugänglich.
Der Wegfall der Verschlüsselung könnte nun auch den eigentlichen Nachrichteninhalt sichtbar machen, so Giussani gegenüber dem Radio und Fernsehen für die italienischsprachige Schweiz (RSI). Er betont: «Durch das Entfernen der Verschlüsselung wird der Inhalt der Nachrichten Meta zugänglich – einschließlich deren Künstlicher Intelligenzen. Dies ermöglicht es ihnen, den Inhalt zur Verbesserung ihrer KI-Systeme zu nutzen und potentiell Werbebotschaften anzuzeigen, die mit dem Nachrichteninhalt thematisch übereinstimmen.»
Das Vorhaben betrifft nicht nur Instagram. Auch Whatsapp untersteht Meta, nutzt aber weiterhin Nutzer-zu-Nutzer-Verschlüsselung. In vielen europäischen Ländern ist die App weit mehr als ein reines Nachrichtenwerkzeug und wird in Schulen, Arbeitsumfeldern, im Kundenkontakt, innerhalb von Familien sowie der politischen Kommunikation eingesetzt.
«Whatsapp fungiert als eine Infrastruktur für zahlreiche soziale Interaktionen (…) Dass diese Infrastruktur unter dem Besitz eines privaten Unternehmens steht – welches über Jahre hinweg ethisch umstritten war –, ist ein Problem», erklärt Giussani.
Es gibt technische Alternativen. Bruno Giussani nennt Signal, das von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben wird, und Threema, eine Schweizer App, die auch in der Bundesverwaltung im Einsatz ist. Zudem existiert iMessage für Nutzer des Apple-Ökosystems.
Die Herausforderung dieser Alternativen liegt jedoch in ihrer geringeren Verbreitung. Sie haben noch nicht die kritische Masse erreicht, was Giussani auf den Netzwerkeffekt zurückführt: «Es gibt Alternativen (…) aber sie werden von weniger Menschen genutzt als Whatsapp.»