Die Ankündigung Irans, die Strasse von Hormuz wieder vollständig freizugeben, löst eine positive Reaktion an den Märkten aus. Trotzdem bleibt der Weg zu einem dauerhaften Frieden zwischen Iran, USA und Israel kompliziert.
Verhandlungen zum Ende des Konflikts zwischen Iran, Israel und den USA zeigen Fortschritte. Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi verkündete am Freitag, dass die Strasse von Hormuz während eines Waffenstillstands vollständig geöffnet wird, ähnlich wie zwischen Israel und Libanon.
US-Präsident Donald Trump dankte Iran via soziale Medien für diesen Schritt. Er betonte jedoch, dass die amerikanische Blockade der Meerenge bestehen bleibt, bis alle Transaktionen mit Iran abgeschlossen sind. Trump ist zuversichtlich, dass dies schnell gehen könnte, da man sich bei den meisten Verhandlungspunkten bereits einigt.
Die Nachricht führte zu einem Rückgang des Ölpreises: Ein Fass Brent sank um über 10 Prozent auf unter 88 Dollar, der Preis für WTI und europäisches Erdgas fielen ebenfalls. Börsenindizes in Europa und den USA sowie Staatsanleihen stiegen an, während der US-Dollar etwas an Wert verlor.
Axios berichtete zuvor, dass iranische und amerikanische Unterhändler weitere Verhandlungen planten, wobei die USA eventuell 20 Milliarden Dollar an iranischen Geldern freigeben könnten, wenn Iran sein angereichertes Uran aufgibt. Analysten nehmen an, dass die Sperrung der Strasse von Hormuz beendet ist, doch Arne Lohmann Rasmussen von Global Risk Management merkte an, dass die Öffnung möglicherweise nur eine Fahrspur betrifft.
Die Route durch die Strasse von Hormuz war während des Krieges verändert worden; Iran zwang Schiffe zu einer nördlicheren Passage und erhebt dabei Schutzgelder. Die Frage, ob Iran langfristig auf diese Gebühren verzichten wird, bleibt offen.
Wie schnell die Energiemärkte sich normalisieren können, ist ungewiss. Der Krieg hatte den globalen Ölhandel stark beeinträchtigt; Saudi-Arabien konnte zwar Rohöl umleiten, aber andere Golfstaaten und Iran blieben blockiert.
Tanker werden die Durchfahrt erst wagen, wenn sie sich auf eine zuverlässige Passage verlassen können. Experten schätzen, dass dies Tage bis Wochen dauern könnte. Zudem wird es Wochen bis Monate dauern, bis Anlagen und Raffinerien in den Golfstaaten ihre volle Kapazität wieder erreichen.
Ein Teil der Infrastruktur wurde im Krieg beschädigt; Qatar benötigt Jahre, um seine Erdgasexporte auf das Vorkriegsniveau zu bringen. Die Frage bleibt, ob ein stabiles Friedensabkommen zwischen Teheran und Washington möglich ist. In Europa und den Golfstaaten wird mit Verhandlungen von bis zu sechs Monaten gerechnet.
Die divergierenden Positionen Irans und der USA – insbesondere die Urananreicherung und Unterstützung für Milizen – bleiben ungelöst, was eine Risikoprämie am Ölmarkt wahrscheinlich macht. Iran hat gezeigt, dass es jederzeit die Strasse lahmlegen kann.
Dass Teheran dennoch öffnet, zeigt den Druck auf das Land: Wirtschaftliche Schwierigkeiten durch Krieg und Blockade haben die Erdölexporte stark reduziert, während Importe eingebrochen sind. Luftangriffe beschädigten Gasförderung und Industrieanlagen in Iran. Die wirtschaftlichen Sanktionen des Westens sowie der Krieg verschärfen die hohe Arbeitslosigkeit und Inflation.
Die Blockade und Kriegsschäden schwächen eine ohnehin angeschlagene Wirtschaft, selbst Elitekreise spüren die Auswirkungen.