Algeriens christliche Gemeinschaft leidet unter Repression, während Papst Leo XIV. zu Besuch ist – was von vielen als unzureichend mutig kritisiert wird. Auch Trump wirft dem Kirchenoberhaupt Einseitigkeit vor.
Kaum war der Pontifex in Algerien angekommen, ereigneten sich am Montagnachmittag zwei Selbstmordanschläge in Blida südwestlich von Algier. Ob ein Zusammenhang mit dem Besuch des Papstes besteht, ist noch unklar.
Die elftägige Afrikareise des Papstes führt ihn nach Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea – es ist seine zweite große Auslandsreise seit der letztjährigen Orientreise. Die Wahl fiel auf Afrika, da dort das Zentrum des Christentums sich zunehmend verlagert: Knapp 300 Millionen Katholiken, fast ein Fünftel aller Katholiken weltweit, sind Afrikaner.
Mit einer reichen christlichen Geschichte in römischer Zeit und dem Kirchenvater Augustinus als herausragender Figur zählt Algerien zu den ersten christianisierten Ländern. Trotz der überwiegend muslimischen Bevölkerung von rund 48 Millionen Menschen mit einer kleinen christlichen Minderheit, verspricht die Verfassung von 2020 Religionsfreiheit im “Rahmen des Gesetzes” – eine Realität, die durch staatliche Repressionen getrübt wird.
Die Regierung sieht die Missionstätigkeit als Gefahr für die islamische Identität und hat 2006 mit Verordnung 06-03 die erzwungene oder “verführerische” Missionierung von Muslimen unter Strafe gestellt. Nichtmuslime werden oft als potenzielle Fremde betrachtet, was zur Flucht vieler Christen und Juden nach der Unabhängigkeit Algeriens im Jahr 1962 führte.
Die Repression trifft nicht nur die Christen, sondern auch kleinere muslimische Minderheiten wie die Ahmadiyya. Synagogen wurden geschlossen oder in Moscheen umgewandelt. Die Situation hat sich zugespitzt: Pastor Youssef Ourahmane wurde wegen ungenehmigter Gottesdienste verurteilt, und Caritas musste seine Aktivitäten einstellen.
Die algerische Verfassung verbietet Praktiken, die der islamischen Moral widersprechen – eine Grundlage für Haftstrafen gegen Freidenker wie den Social-Media-Aktivisten Moh al-Washam. Die USA kritisierten 2023 Algeriens Religionsfreiheit und empfahlen, das Land weiter auf der Liste zu belassen.
Während seines Besuchs sprach der Papst in einer Rede nur vorsichtig die Verfolgung an. Seine Haltung wurde von Menschenrechtsaktivistin Charlotte Touati kritisiert, die ihn aufforderte, politische Erwägungen nicht über Gläubige zu stellen. Präsident Trump äußerte ebenfalls Kritik und forderte den Papst auf, sich als Kirchenführer und weniger als Politiker zu zeigen.
In Afrika existieren zwei Realitäten: ein wachsendes Christentum und eine leidende christliche Minderheit. Beobachter werden genau darauf achten, ob der Papst die Probleme beim Namen nennt.