Algerien wird oft als Wiege des westlichen Christentums bezeichnet, obwohl die dortigen Christen Repressionen erfahren. Papst Leo XIV., der kürzlich das Land besuchte, steht unter Druck, mutiger gegenüber diesen Herausforderungen aufzutreten. Auch Donald Trump bemängelt seine angebliche Einseitigkeit.
Am Montagnachmittag ereigneten sich zwei Selbstmordanschläge in Blida südwestlich von Algier kurz nach der Ankunft des Papstes, was Fragen über einen möglichen Zusammenhang mit seinem Besuch aufwirft. Der Pontifex begann seine elftägige Afrikareise in Algerien, die ihn auch nach Kamerun, Angola und Äquatorialguinea führt. Diese Reise ist Teil einer Strategie, da der Schwerpunkt des Christentums sich zunehmend auf den Kontinent verlagert – fast 20 Prozent aller Katholiken weltweit sind Afrikaner.
Algerien war einst eines der ersten christianisierten Länder in römischer Zeit und Heimat von Kirchenvater Augustinus. Sein historisches Erbe spiegelt sich heute nur noch bei einer kleinen Minderheit wider, da das Land überwiegend muslimisch ist. Die staatliche Politik zielt darauf ab, diese Struktur beizubehalten, trotz völkerrechtlicher Verpflichtungen zur Religionsfreiheit.
Die Repression gegen christliche Missionstätigkeit wird oft als Bedrohung für die islamische Identität dargestellt. Besonders evangelische Gruppen aus den USA stehen unter Verdacht, was 2006 zur Einführung der Verordnung 06-03 führte. Diese macht missionarische Aktivitäten von Nichtmuslimen zu einer Straftat. Nichtmuslime werden oft als potenzielle Gefahr gesehen, und die meisten Christen flohen nach der Unabhängigkeit im Jahr 1962.
In Algerien sind viele Kirchen geschlossen worden, wie Pastor Youssef Ourahmane berichtet, der selbst wegen ungegenehmigter Gottesdienste inhaftiert wurde. Auch katholische Organisationen, wie Caritas, mussten ihre Tätigkeit einstellen. Die Verfolgung betrifft nicht nur Christen, sondern auch kleinere islamische Minderheiten.
Im März 2025 wurde der Aktivist Moh al-Washam wegen angeblicher Gotteslästerung inhaftiert, was die strenge Anwendung religiöser Gesetze verdeutlicht. Die USA haben Algerien 2023 auf ihrer Liste von Ländern mit Verletzung der Religionsfreiheit geführt.
Obwohl Papst Leo während seiner Reise Themen wie Christenverfolgung anspricht, bleibt seine Rhetorik oft allgemein. Kritiker, darunter die Menschenrechtsaktivistin Charlotte Touati und Donald Trump, fordern eine klarere Position. In Afrika existieren zwei Realitäten: ein wachsendes Christentum und verfolgte Minderheiten. Es bleibt abzuwarten, ob der Papst diese Herausforderungen direkt ansprechen wird.