Der rechtsliberale Oppositionsführer in Ungarn, Peter Magyar, hat gute Chancen, Viktor Orban nach sechzehn Jahren zunehmend autokratischer Herrschaft zu stürzen. Er folgt dabei vier spezifischen Punkten, um den Alleinherrscher zu besiegen. Dienstagabend 19:30 Uhr auf dem Fernsehsender M1 präsentiert die ungarische Tagesschau. Der Moderator ordnet seine Papiere, während das Parlamentsgebäude von Budapest im Hintergrund leuchtet. Wer nicht mit Ungarn vertraut ist, könnte irrtümlich annehmen, dass Krieg herrscht – ausgelöst durch Peter Magyar. Ihm wird vorgeworfen, ein “ukrainisches Aussenministerium” in Ungarn zu errichten und als “ausländischer Agent” der EU sowie der Ukraine unterstellt zu sein. Tatsächlich jedoch gibt es keinen Krieg in Ungarn, nur Propaganda.
Am 12. April wird in Ungarn gewählt. Die vergangenen sechzehn Jahre waren oft ereignislos, da niemand Viktor Orban und seiner rechtspopulistischen Fidesz-Partei ernsthaft Paroli bieten konnte. Seit 2010 hat er das EU-Land in eine Autokratie verwandelt, die als Vorbild für rechtskonservative Regierungen dient, wie jene der USA. Medien wurden gekauft und gleichgeschaltet, Schlüsselpositionen mit loyalen Gefolgsleuten besetzt – alles im Dienste der Machtkonsolidierung Orbans.
Doch Peter Magyar hat diese Dynamik verändert. Vor zwei Jahren unbekannt, liegt er nun in Umfragen bis zu zehn Prozentpunkte vor Orban. Sein Erfolg zeigt eine mögliche Formel auf, um Autokratien von innen heraus zu brechen – eine Lektion für viele Nationen.
Magyar konnte die ungarische Bevölkerung davon überzeugen, sich nicht weiter in diesem System gefangen zu sehen. Dies ist ihm gelungen, weil seine eigene Geschichte dafür prädestiniert ist. Früher Teil des inneren Kreises von Fidesz als Diplomat in Brüssel und in der staatlichen MBH-Bank tätig, trennte er sich nach einem Skandal vom System.
Im April 2024 schloss er sich der Partei Tisza an, politisch der rechten Mitte zugeordnet. Bei den Europawahlen holte sie zwei Monate später fast ein Drittel der Stimmen. Magyar stammt aus einer angesehenen Budapester Familie und gilt als Volkstribun. Seine Wahlkampfveranstaltungen sind bemerkenswert: Er bewegt sich durch die Menge, macht Selfies und spricht auf Laderäumen von Transportern.
Seine Tour führte ihn mehr als 150 Mal in Dörfer und Städte und im vergangenen Jahr sogar 300 Kilometer bis ins rumänische Oradea. Während Orban ethnischen Ungarn ungarische Pässe verlieh, um sie zu mobilisieren, zeigt Magyar sich persönlich engagiert. Seine Veranstaltungen wirken wie Bewegungsaufrufe und nicht nur Wahlkampfreden.
Um Orban zu besiegen, muss man gegen eine mediale Übermacht ankämpfen. Staatliche Medien sind mit Parteitreuen besetzt und Fidesz kontrolliert die Plakatwerbung. So prangt Magyars Gesicht auf den Straßen neben anderen politischen Persönlichkeiten.
Fidesz bediente nationale Sehnsüchte nach Stabilität, nationalen Stolz und einer Abkehr von der liberalen Westpolitik. Doch die wirtschaftliche Stabilität hängt stark an EU-Subventionen, deren Auszahlung wegen Korruptionsvorwürfen stockt.
Magyar verspricht das Ende der Korruption und eine Annäherung an die EU, was ihn auch für enttäuschte Fidesz-Wähler attraktiv macht. Ohne Zweidrittelmehrheit bleibt jedoch vieles unverändert. Seine Anti-Autokratie-Formel zeigt Erfolgspotential, aber auch Grenzen.