Diesen Sonntag steht der erste Wahltermin an, während das Volk zunehmend enttäuscht von der Demokratie ist. Steht die Rückkehr der Familie Fujimori bevor? In den letzten zehn Jahren erlebte Peru einen dramatischen Verfall demokratischer Strukturen und sah neun Präsidenten wechseln, wobei nur drei vom Volk gewählt wurden; die anderen sechs folgten nach Amtsenthebungen oder Rücktritten unter Kongressdruck. Diese Instabilität ist teilweise auf eine Verfassung zurückzuführen, die es dem Parlament erleichtert, den Präsidenten mit einer Zweidrittelmehrheit wegen «dauerhafter moralischer Unfähigkeit» abzusetzen – ein Begriff ohne klare Definition. Dies ermöglicht dem Kongress großen Interpretationsspielraum und schafft eine niedrige Hürde für Amtsenthebungen, da Präsidenten meist über nur kleine Minderheiten verfügen.
Die grassierende Korruption trägt ebenfalls zur Instabilität bei. Viele Abgeordnete stehen unter Anklage, und der Druck auf Präsidenten nimmt zu, viele von ihnen sind selbst nicht unbelastet; die meisten ehemaligen Staatschefs sehen sich rechtlichen Konsequenzen gegenüber, vier sitzen aktuell im Gefängnis. Diese korrupte Politikerkaste hat das Vertrauen in demokratische Institutionen schwinden lassen: Nur etwa 10 Prozent der Peruaner sind laut einer Umfrage von Latinobarómetro 2024 mit ihrem System zufrieden – ein Rückgang von vor fünfzehn Jahren, als noch rund 40 Prozent dies sagten. Trotz politischer Turbulenzen blieb die Wirtschaft relativ stabil und wuchs im Durchschnitt um 3 Prozent pro Jahr.
Das politische System zeigt sich dysfunktional darin, dass bis zu 35 Kandidaten für das Präsidentenamt antreten. Es fehlt ein stabiles Parteiensystem; Parteien dienen hauptsächlich als Sprungbretter für persönliche politische Ambitionen und existieren oft nur so lange wie ihre Gründungsfiguren. Keine Partei hat bei der letzten Kongresswahl mehr als 13 Prozent der Stimmen erreicht.
An der Spitze der Umfragen steht die Rechtspolitikerin Keiko Fujimori, Tochter des 2024 verstorbenen ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori, bekannt für seine autoritären Regierungsstile in den 1990er Jahren. Sie versuchte dreimal seit 2011 vergeblich, das Präsidentenamt zu gewinnen und erhielt jeweils zwischen 48,6 und 49,9 Prozent der Stimmen. Ihre engsten Verfolger sind ein weiterer Rechtspolitiker mit Fokus auf härtere Polizei- und Justizmaßnahmen gegen Kriminalität, ein Komiker und Fernsehmoderator sowie ein Linker, der im ländlichen Raum gut abschneidet und an den früheren marxistischen Präsidenten Pedro Castillo erinnert. Letzterer versuchte 2022 einen Putsch und sitzt seitdem im Gefängnis.
Die starke Zersplitterung des Kandidatenfelds lässt die Wahlvoraussagen ungewiss erscheinen, insbesondere außerhalb der Hauptstadt Lima, wo Umfragen oft unzuverlässig sind. Die beiden Bestplatzierten ziehen in den zweiten Wahlgang am 10. Mai ein.
Als bedeutender Rohstofflieferant ist Peru weltweit der zweitwichtigste Kupferproduzent und führend in Lateinamerika bei Gold. Wirtschaftlich hat sich das Land stark China zugewandt, dessen Handelsbeziehungen mit Peru intensiv sind. Der chinesische Cosco-Konzern errichtete einen bedeutenden Containerhafen im Rahmen der Belt-and-Road-Initiative, der seit November 2024 in Betrieb ist und von der peruanischen Regierung als privater Hafen zur öffentlichen Nutzung anerkannt wurde.
Die Wahl hat geopolitische Relevanz vor dem Hintergrund von Präsident Trumps Strategie, die westliche Hemisphäre zurückzugewinnen. Ein peruanischer Präsident wird sich nicht leicht dem chinesischen Einfluss entziehen können. Während rechte Politiker häufig US-freundlich sind, ist der Antiamerikanismus auf der Linken weit verbreitet. Die USA werden wahrscheinlich den Wahlkampf offiziell unterstützen, sobald die Kandidaten für den zweiten Wahlgang feststehen.